Freitag, 3. Juli 2015

An: Die ewige Stadt Rom, zwischen Bergen und Meer, 753 Italien

Liebes Rom, 

da sitze ich im Mondenschein, umgeben von Grillenzirpen, Sternenfunkeln, eine Katze jault und ein Hund antwortet, es ist mild. Der letzte Monat. Nachdem ich die letzten Wochen nichts dringlicheres wollte, als einfach wieder in bekannte Gefilde zurückzukehren, wird mir nun deutlich, wie sehr ich dich liebe. Es ist eine Hassliebe. Die Liste der Dinge die ich vermissen werde ist lange, ebenso die in der steht, warum ich nicht bei dir mein Leben lang bleiben möchte. Was werde ich ohne die Möwen, Zikaden, dem Geruchsgemisch aus Café, Zigaretten, Parfüm und Pinien oder der chaotischen Eleganz des Straßenverkehrs tun? Aber wie soll ich hier leben ohne „richtige“ Natur, Vollkornbrot und Menschen, die ich gern habe? Ein Jahr ist eine lange Zeit – eigentlich. Wenn man fünf ist. Aber jetzt, mit Anfang Zwanzig fängt das Leben an zu rasen als würde es verfolgt werden – oder ist es selbst der Verfolger?

Zu viele Fragezeichen. Rom, meine Liebe hast du immer. Auch wenn ich nicht immer Erwiderung spüre. Für dich bin ich nur ein winziger Wimpernschlag in deinem ewigen Bestehen. Menschen kommen und gehen in Scharen. Manche nehmen dich wahr, andere trampeln eilig über dich hinweg auf der Suche nach der nächsten Sehenswürdigkeit – oder McDonalds. Ich bin kein Kenner und auch keine Römerin. Ich habe dich oft ignoriert in meiner Faulheit, im Überdruss und im Heimweh. Ich denke, ich werde mich diesen letzten Monat noch einmal in deine Arme stürzen und dich versuchen wahrzunehmen. Ich werde auch sicherlich irgendwann wiederkommen und du wirst mich nicht wiedererkennen. Aber das ist in Ordnung, denn ich werde dich wiedererkennen. Und dann werde ich in unseren Erinnerungen schwelgen und erzählen, während du schweigend neben mir herschlenderst und andere Menschen flüchtig umarmst und mit einem Küsschen links und rechts weiter ziehen lässt.

Du ewige Stadt, hab dank, denn unsere flüchtige Umarmung war ein Freude, ein Herzklopfen, ein kleines Abenteuer.
Deine Lydia 

                                                                                                          © by Carolin  
                                                                       

Donnerstag, 13. November 2014

Fremdsein, Chaos, Freunde und Merkwürdigkeiten

Wie oft habe ich mich hier schon eingeloggt, das Blinkern auf der leeren Seite ein paar Minuten verträumt beobachtet, um mich dann wieder auszuloggen...

Die Tage fliegen dahin, schon ist es November. Das Wetter wechselt zwischen Sonnenschein, Regengüssen und Windböen. Ich treffe immer mehr Menschen, viele werden mir vertrauter und Freundschaften entwickeln sich. An manchen Tage laufe ich stundenlang durch die Stadt, planlos und auf der Suche nach neuen, unbekannten Orten. Manchmal finde ich sie. Einen wunderschönen Park, in dem Schafe weiden, einen kleinen Markt oder ein gemütliches Café. An anderen Tagen überkommt mit der Alltagstrott und ich erwische mich beim stundenlangen Nichtstun. Ich genieße es hier zu sein, war es doch immer einer der Orte, an dem ich mal leben wollte. Aber es ist auch wieder ein Ort auf Zeit.

In der Straßenbahn beobachte ich die Menschen, versuche sie zu verstehen. Solange ich den Mund halte fühle ich mich integriert, doch sobald ein italienisches Wort meine Lippen verlässt, merke ich, wie ich als Fremde erkannt werde. Jeden Morgen werde ich seit zwei Monaten von der Sprache überrascht: "Huch, ich verstehe ja nichts."

Doch worüber soll ich schreiben? Was ich erlebe ist spannend wenn es erlebt wird. Aufgeschrieben sind es Worte, die anderen wohl weniger aufregend erscheinen mögen.

Ich kann von Vorlesungen berichten, in denen ich kein Wort verstehe. Oder von der seltsamen skeptischen Katze, die in meinem Haus wohnt. Von Menschen, die ich mag und von solchen, die ich nicht wieder treffen will. Von den Gesichtern, die ich täglich in der Metro sehe, von traurigen Seelen am Straßenrand. Die Sonne, die mir warm ins Gesicht scheint. Der Regen, der direkt über meinem Bett aufs Dach prasselt. Lustige Abende mit lustigen Menschen. Musik, die überall zu hören ist. Der Geruch von Großstadt, der mir das Gefühl gibt langsam zu krepieren.
Ein Lächeln, das mich aufmuntert.
Geschichten, die mir einfallen und aufgeschrieben werden wollen...
 

Sonntag, 7. September 2014

Sie haben Ihr Ziel erreicht...

Fast eine Woche bin ich nun schon in Roma.
Ein paar Sehenswürdigkeiten wurde in der Woche noch besucht und neue Ecken erkundet, die teilweise zu wiederholten Besuchen eingeladen haben.
Die Stadt ist unendlich und wird von einem chaotischen Autofahrervolk beheimatet. Zebrastreifen sind Deko und Ampeln  Beleuchtungskunst. Es wird gehupt, geschimpft und selbst ausreichend große Parklücken sind kein Hindernis, den parkenden Nachbarn zu "küssen". Dennoch funktioniert das Chaos, weil einfach alle so fahren- selbst die Polizei. Unsicherheiten sind fehl am Platz.
Großstadt und italienische Mentalität ist eine faszinierende Kombination, die mir sicherlich noch ein paar Mal den Atem nehmen wird.
Ansonsten habe ich mich in meinem netten Stadtviertel und in einer niedlichen niedrigen Wohnung eingelebt. Auf unserer wunderbaren Terasse ist viel Platz zum sonnen und sitzen in angenehmen 30°C.
Am Mittwoch beginnt der Intensivsprachkurs und ich bin sehr gespannt auf die vielen neuen Gesichter und Sprachen, die mir begegnen werden.

Es folgen weitere Erkenntnisse und Erlebnisse aus dieser großen Stadt.


 
die schönen Gassen und Straßen rum um den Campo de' Fiori








un gabbiano 
 
la isola Tibertina

Sonntag, 10. August 2014

Johann Wolfgang und Lydia reisen ins Land der Zitronen

Ciao Amici,

Soeben blätterte ich in dem wunderschönen Reisebericht Goethens über seinen Aufenthalt in Rom. Mein Herz entflammte bei seinen Beschreibungen der "Hauptstadt der Welt" und seine Sehnsucht danach empfinde ich ganz und gar mit. "Ich glaube es jetzt kaum, und wenn dieser Wunsch erfüllt ist, was soll ich mir nachher wünschen?" Es ist noch nicht mal mehr ein Monat bis zur Abreise. Ich bange jeden Tag, denn noch immer plagen mich Gedanken, ob nicht irgendwas schiefgehen wird. Ich packe wieder mein Leben in Kisten und Koffer und muss mich der Herausforderung stellen, meine Herzensgüter auf maximal zwei Koffer zu beschränken. Was ist mir so wert und wichtig, dass es mich begleiten soll? Worauf kann ich verzichten? Ein Zimmer habe ich, das glücklicherweise sehr zentral liegt.
Da das Leben in Rom ganz neu und sicherlich auch auf seine Art aufregend sein wird, werde ich natürlich ausführlicher berichten und euch über die schönsten Orte, die leckersten Speisen und sie interessantesten Wörter der italienischen Sprache schreiben.
Bis dahin werde ich nun weiter packen und mich den letzen Vorbereitungen widmen.
Tanti saluti
Lydia :)


Zur Einstimmung ein paar Impressionen meines ersten Romurlaubs: 



 






Freitag, 11. Oktober 2013

Dem schlechten Wetter trotzen

Der Herbst überzieht das Land und lässt es nicht nur erbunten sondern auch ergrauen. Dicke Nebelschwaden wabern um die Jenaer Hügellandschaft und hinterlassen nasse Wiesen und trübe Mienen. Doch die kühlen Tage lassen sich besser genießen, wenn etwas Selbstgemachtes ein kuschliger Begleiter ist.
Schon seit einer Weile hege ich den Wunsch, einen Cape zu basteln. Einen kuschligen Überwurf mit großer Kapuze, leider fand ich nie den geeigneten Stoff.  Aber wie der Zufall es wollte, fand ich im Aldiangebot eine riesige Decke, die genau meinen Vorstellungen entsprach. Ich habe mich trotz des schon grauen Wetters für Schwarz entschieden, einfach aus dem Grund, weil es zu allem passt :)
Und weil er so schnell und warm ist: Hier die Anleitung!

Was du brauchst:
*Vlies-, Woll- oder Walkstoff
*Stoffschere
*Nähmaschiene (Vlies lässt sich auch gut mit Hand nähen, was allerdings etwas länger dauert)
*Maßband
*Schneiderkreide (oder auch nicht, freischnautze funktioniert auch- wenn das Augenmaß stimmt)
*bunte Knöpfe

Und so geht es:

1. Maß nehmen
Zum einen wird vom Handgelenk bis zum Dekolteé ausgemessen und zum anderen vom Hals (etwas tiefer) bis zu der gewünschten Länge, die die Jacke später haben soll.  Beide Längen werden mal2 genommen. 



2. Abmessen und Auschneiden
Der Stoff nun zusammenlegen (2mal falten)  und die Maße übertragen. Es funktioniert natürlich auch ohne Maße. Wichtig ist, dass es keinen richtigen Viertelkreis ergibt. (Siehe Foto) Der Kopfausschnitt sollte außerdem nicht zu groß augeschnitten werden. Nun alles auschneiden.




3. Nun werden die Arme abgenäht. Die Naht sollte nicht zu weit oben oder zu lang sein, sonst kann man nicht mehr die Arme durchstecken. Wichtig ist, dass die Nähte auf beiden Seiten gleichlang und auf gleicher Höhe sind.




4. Anschließend habe ich vorne die Jacke aufgeschnitten, bunte Knöpfe angenäht und Knopflöcher reingeschnitten. Auf das umnähen habe ich bei der Jacke verzichtet. Zum einen befindet sich die Nähmaschine gerade in der Pupertät und zickt rum und zum anderen hält der Stoff sich auch so sehr gut.



 5. Die Kapuze
Für die Kapuze habe ich eine Schnittvorlage genommen. Und zwar von diesem Blog: http://gesehenundgesehenwerden.blogspot.de/2012/09/wendeponcho-tutorial.html
(Dieser wunderbare Poncho ist auch nicht ohne, vielleicht im nächsten Jahr...) Die Kaputze annähen und fertsch!



 6. Das Ergebnis



 Viel Freude beim Nähen! :)

Montag, 6. Mai 2013

Was dem einen Unkraut, ist des anderen Suppe

Die Natur bietet viele Köstlichkeiten, die auf den ersten Blick sehr unscheinbar sind. So haben, dank unappetitlichen Tee und brennender Haut, Brennnesseln einen schlechten Ruf- zu Unrecht. Eine köstliche Suppe lässt sich aus ihnen zaubern. Der Weg zu der leckeren Speise muss sich allerdings hart verdient werden. Handschuhe sind unabdingbar! :) 

Was du brauchst:

*Viele, viele Brennnesseln! Für sechs hungrige Mäuler sollten es schon 1- 1 1/2 Beutel sein (normale Stoffbeutel) Lieber zu viel als zuwenig…aufwärmen geht immer! :)
Zu beachten ist, dass die oberen jungen Spitzen gepflückt werden sollten
*Sahne
*Zwiebeln/Lauch
*Butter
*Brühe

Wie du das Süppchen kochst:

Von den Brennnesseln harte Stielchen entfernen und waschen. (Gummihandschuhe)
Die Butter mit Zwiebeln in einem Topf erwärmen und die Blätter dazugeben. Solange kochen lassen, bis die Blätter zusammengefallen sind (wie beim Spinatkochen). Anschließend Brühe und Sahne dazugeben und alles 20 min. köcheln lassen. Nun pürieren und nachwürzten und gegebenenfalls noch verdünnen.
Fertsch und schmecken lassen!
Guten Appetit!

Für schmerzende Hände übernehme ich keine Haftung! :)


Montag, 25. März 2013

Das Täschchen

Manch einer widmet sich ab und zu dem Nikotingenuss.  Das kann man kritisieren- muss man aber nicht.
Um Tabakkrümel in der Tasche zu vermeiden, habe ich mich an die Nähmaschine gesetzt (Danke an Anna für diese) und etwas für Freunde genäht. Am Ende ist ein Täschchen herausgekommen in welches man die Zutaten für oben erwähnten Konsum reinfüllen kann, aber kann es natürlich auch für alles mögliche andere nutzen.
Vielleicht fehlte genau dieses Utensil dem ein oder anderen.

Was du brauchst:
Stoff (zwei verschiedene wenn gewollt)
Nähmaschine
Stoffschere
Knopf und Schlaufe (Gummi) für den Verschluss

Wie du es machst:

Als erstes den Stoff zuschneiden. Als Länge habe ich 39,5 cm gewählt. Die Breite ist allerdings etwas zu knapp bemessen gewesen. Deswegen würde ich 15/16cm empfehlen. Als Maßstab habe ich eine Tabakpackung genommen.





Dann habe ich das ganze auf einen zweiten Stoff übertragen.
Die beiden Hälften habe ich anschließen linksrum zusammengenäht. 
Allerdings muss eine kleine Öffnung zum wenden offenbleiben.



Die "Kissenhülle" nach dem zusammennähen wieder  wenden und die offene Stelle zunähen. 










Anschließend habe ich mir die Tasche unterteilt und an den Seiten zusammengenäht. 







Ebenso habe ich es noch in drei kleine Fächer für Filter, Feuerzeug und Paper unterteilt. (Auch für Stifte, Kaugummi, Lippenstift etc. verwendbar)





Noch einen Knopf und einen Gummi annähen zum verschließen und schon ist das Ding fertig...



Ich gebe zu, die Nähte auf der Rückseite durch die kleine Fächer sind nicht so schön und  erst ein Kissen nähen könnte man weglassen, weil es ja am Ende sowieso zusammengenäht wird. Aber es war mein Anfängerstück und ich bin sehr zufrieden :) Versuch macht kluch... 





In diesem Sinne viel Spaß, falls es jemanden gibt, der es versucht - ob nun nach meiner Anleitung oder aus eigener Kreativität heraus. :)